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Christopher Nolan verhandelt in "Interstellar" große Fragen der Menschheit: gottfern, spektakulär, erstaunlich plausibel. Dennoch wirkt Sci-Fi derzeit ein bisschen klein.

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6. November 2014, 9:50 Uhr Aktualisiert am 6. November 2014, 9:50 Uhr

Inhalt

  1. Seite 1 — Was sucht der Mensch im Wurmloch
  2. Seite 2 — Interstellare Familienaufstellung

Es ist verdammt einsam im Weltraum. Und so still, dass man das Blut in den Adern rauschen hört. Die überwältigende Weite, sozusagen die ultimative Grenzerfahrung, und die akustische Leere sind eine perfekte Kulisse für die ganz großen Fragen der Menschheitsgeschichte: Woher kommen wir? Was macht uns aus? Existiert eine höhere Macht jenseits unserer Vorstellungskraft (im religiösen wie metaphysischen Sinne)? Es ist wohl dem Pioniergeist der Science-Fiction geschuldet, die Antworten eher in fernen Galaxien zu suchen statt auf dem eigenen Planeten. In Interstellar, Christopher Nolans Wurmloch-Spektakel, nehmen eine Handvoll Menschen einen wirklich sehr weiten Weg auf sich, um Antworten zu finden, die über die Zukunft der Menschheit entscheiden könnten.

Nun ist das US-Blockbusterkino nicht unbedingt die erste Adresse für fundierte philosophische Abhandlungen. Aber Nolan nahm seine Prämisse ernst genug, um den Astrophysiker Kip Thorne, der  vor allem zu den Phänomenen der Gravitation und Relativität forscht, als Berater zu engagieren.

Oberflächlich betrachtet erzählt Interstellar in emblematischen Bildern vom Überleben. Auf der Erde zeichnet sich das Ende eines weltgeschichtlichen Zyklus ab. Gewaltige Sandstürme überziehen die USA – oder wenigstens jenen Teil des Landes, der schon zur Zeit der Wirtschaftskrise Dust Bowl genannt wurde. Die Mais-Ernte wirft kaum noch Ertrag ab, Weizen wird aufgrund der klimatischen Veränderungen längst nicht mehr angebaut. Die Versorgungslage sieht katastrophal aus. Die Menschen sollen Farmer werden, um wenigstens das Nötigste zu haben. Entdeckerdrang? Nicht mehr als eine Erinnerung, die in Interstellar auch noch als ironische Fälschung daherkommt: Hier lernen die Schüler aus ihren Büchern, die Mondlandung sei nichts weiter als eine teure Propagandainszenierung aus der Ära des Kalten Kriegs gewesen.

"Früher haben wir zum Himmel hochgesehen und uns gefragt, wo unser Platz im Universum ist. Heute blicken wir auf den Boden hinab und zerbrechen uns den Kopf über unseren Platz im Schmutz," monologisiert der von Matthew McConaughey gespielte Nasa-Pilot Cooper, der die vielleicht letzte Weltraum-Mission der Menschheit leiten soll. In der Nähe des Saturns ist ein Wurmloch – der Rettungsversuch einer höher entwickelten Spezies? – entdeckt worden. Das Tor in eine andere Galaxie. Es besteht die geringe Chance, jenseits des Sonnensystems auf einen bewohnbaren Planeten für einen kleinen Rest der Menschheit zu stoßen.

Cooper ist allerdings nicht nur ein guter Amerikaner, er ist auch ein guter Vater: Zum Abschied verspricht er Tochter Murph und Sohn Tom, heil von seiner Mission zurückzukehren. So zieht sich in Interstellar die familiäre Bande über eine Entfernung von Tausenden von Lichtjahren, aufrechterhalten durch sporadische Videobotschaften. In diesem Punkt müssen die Gesetze der Physik der Logik des Drehbuchs weichen.

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Von Martin Schwickert 22. April 2014 10 Kommentare

Jaja,...

die Hoffnung stirbt zuletzt.
Die elitäre Vorstellung, man könnte irgendwo hinflüchten wo's schön ist.
Als gäbe es ein Leben nach dem Tod.
Alles Selbsttäuschung.
Eine Droge um die Ängste erträglicher zu machen.

Nein, dieser Planet leidet und keinen kümmert es.
Die Konflikte nehmen zu.
Aber wenn wir diesem Planeten nukleare Sterbehilfe leisten, dann werden die Eliten ebenfalls qualvoll verrecken.
Wenn's tatsächlich mal soweit ist, dann kommt keiner davon!

Erde 2.0 ist der Traum der kapitalistischen Welt...

Warum die mrd teuren Satelliten im Weltraum um eine neue Erde zu finden... jetzt kommt noch die Entwicklung eines Raumschiffs um die Lichtjahre zu überbrücken, die mrd schwere Unternehmensbesitzer schaffen sich eine neue Welt, selbst wenn sie als Würmer in ihre Löcher eintauchen... untergehen wird mit der Erde 1.0 nur dei armen und dummen...

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Die msiten SciFi Filme

scheitern an der physikalischen Realität oder kausalem Zusammenhang.
(Achtung Spoiler)

In Oblivion zB, ist der Mond zerstört. Ohne Mond ist höhres organische Leben wie wir es kennen auf der Erde unmöglich und damit die gesamte Handlung des Films obsolet.

Und Prometheus?
Von den physikalischen Mängeln einmal abgesehen, sollte dieser Film ja das PreQuell zur ALIEN Saga, insbesondere dem ersten Teil sein. Leider beinhaltet Prometheus hinsichtlich der Schlüssigkeit zu den Ereignissen des ersten ALIEN Films schwere Regiefehler, die man wirklich locker hätte vermeiden können. Beide Filme lassen sich selbst mit viel Fantasie nicht auf eine schlüssige Linie der Abläufe bringen.

Gravitiy:
Habe ihn erst gestern nochmal gesehen. Spannend und zumindest halbwegs realistisch gemacht, auch wenn auch hier Kausalitätsprobleme auftauchen. ZB, warum das Shuttel bei der ersten Umrundung der Trümmerteile schwer getroffen wird, die ISS aber so gut wie keine Schäden aufweist, obwohl sie erheblich größer als ein Shuttel ist und bei der zweiten Umrundung der Trümmerteile dann ja auch vollständig zerstört wird?
Auch die Reiserei mit dem Jetpack ist schon sehr ambitiniert.

Wenn ich dann hier lese "...große Raumstation neben einem riesigen schwarzen Loch...", befürchte ich, dass man auch in Interstellar physikalische Zwänge sowie Kausalzusammenhänge der Bildgewaltigkeit geopfert hat.
So lange der Film aber gut unterhält.... sei s drum!

und Prometheus?

Da müssen sie wohl den Prometheus 2 abwarten, der erste Film war zimlich dürftig und das, obwohl Ridley Scott der Regisseur von Alien, den Film gemacht hat... Ridley Scott ist einer der besten Regisseure der Welt... (1492, Blade Runner, Black Rain, Gladiator, Königreich der Himmel, Black Hawk Down usw)

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"Was sucht der Mensch im Wurmloch"

Würmer wollen zurück...

Tralala

Zit: "Gleichzeitig halten die imposanten Dimensionen, mit denen die Raumfahrer im All konfrontiert sind, den Menschen zur Demut an. Vielleicht ist die aktuelle Science-Fiction aus Hollywood im Kern auch deshalb immer etwas klein gedacht."

Es ist ein Film, also Fiction, halt hier mit Science. Der Weltraum hat die Menschen immer berührt. Existentiell und kulturell. Man kann ja mal das 13te Sternbild, den Schlangenträger, ins mathematische und (jahres) zeitliche Spiel bringen. Dann wirds richtig spannend, auf der Erde.

Millionen Amerikaner sind abhängig von Schmerzmitteln, auch weil sie den Versprechungen der Pharmaindustrie geglaubt haben. Die wahren Ursachen liegen jedoch viel tiefer.

Von , New York

8. August 2017, 14:18 Uhr

Das Schmerzmittel OxyContin in einer Apotheke im US-Bundesstaat Massachusetts © Darren McCollester/Getty Images

Der Unternehmer Michael Sherwin bemerkte die Veränderungen zum ersten Mal vor gut drei Jahren. Immer häufiger musste er Bewerber, die für seine Firma arbeiten wollten, ablehnen. Die potenziellen Mitarbeiter scheitern nicht an fehlenden Qualifikationen, sondern am vorgeschriebenen Drogentest. Mindestens ein Viertel der Interessenten hatte Opioide im Blut, jene Substanzen, die in vielen Medikamenten helfen, Schmerzen zu lindern. "Ich könnte heute locker drei oder vier Mitarbeiter mehr beschäftigen", sagt der Chef von Columbiana Boiler im Bundesstaat Ohio, einem Hersteller von verzinkten Kesseln und Containern. Doch stattdessen muss er wegen der fehlenden Arbeitskräfte die Produktion zurückfahren und Aufträge ablehnen.

Wie Sherwin geht es inzwischen vielen Arbeitgebern in Bundesstaaten wie Ohio, West Virginia oder Kentucky. Inzwischen hat der Arbeitnehmermangel einen Namen bekommen: Opioidkrise. Zahlreiche Fabriken klagen, mit der Konkurrenz im Ausland nicht mithalten zu können, weil es ihnen an Personal fehlt und nicht so viel produzieren können, wie sie wollten. Zugleich verlieren sie langjährige und mühsam angelernte Mitarbeiter an die Sucht. Selbst die sonst eher zurückhaltende Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen, fand vor dem US-Kongress angesichts der Krise im Juli deutliche Worte. Zwar sei unklar, ob die Medikamentenabhängigkeit Ursache oder Folge der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Region ist. Aber die Situation sei nicht nur verheerend für die betroffenen Personen, sondern auch für die Gemeinden, in denen sie lebten.

Mehr als 95 Millionen Amerikaner haben allein im vergangenen Jahr verschreibungspflichtige Schmerzmittel genommen. Geschätzte 2,7 Millionen sind davon abhängig. Allein 2016 starben mehr als 59.000 Amerikaner an einer Überdosis – die Zahl der Todesfälle durch Autounfälle liegt bei 40.000. Seit 1999 hat sich die Zahl der Schmerzmittelopfer vervierfacht. Bei den unter 50-Jährigen sind Opioide – in Form von Schmerzmitteln wie Oxycontin oder Heroin – inzwischen die häufigste Todesursache. Alle drei Wochen, rechnete eine eilig eingerichtete Sonderkommission der Regierung gerade erst vor, würde Amerika einen 11. September erleben, gemessen an den Todesfällen. Vielerorts können Notärzte nicht mehr schnell genug auf die Vielzahl an Anrufen reagieren; in Ohio müssen die Opfer einer Überdosis inzwischen immer wieder in gekühlten Wohnwagen gelagert werden, weil die Leichenhallen überfüllt sind.

Milliardengeschäft mit Schmerzmitteln

Die Krise ist das Ergebnis einer millionenschweren Werbekampagne. Hersteller wie Purdue, Teva und Johnson & Johnson hatten die neu entwickelten Medikamente in den neunziger Jahren als neue Allzweckwaffe gegen chronische Schmerzen beworben und Ärzte im ganzen Land dazu gebracht, sie häufiger zu verschreiben. Die Kampagne zahlte sich aus: Seit 1999 hat sich die Zahl der Verschreibungen vervierfacht, allein die Verkäufe des Marktführers Oxycontin stiegen zwischen 1996 und 2010 von 45 Millionen auf 3,1 Milliarden Dollar. Mögliche Risiken spielten die Hersteller nach Meinung von Kritikern dagegen herunter. So hätten sie eine Krise ausgelöst, die "weitreichende finanzielle, soziale und tödliche Konsequenzen" habe, heißt es in einer jüngsten Klage des Bundesstaates Ohio gegen fünf Anbieter.

Inzwischen werden die Folgen auch für die Volkswirtschaft immer deutlicher spürbar. Neuste Studien schätzen den wirtschaftlichen Schaden jährlich auf rund 80 Milliarden Dollar. Die Medikamentenabhängigkeit ist nach Meinung von Notenbankern und Ökonomen auch mitverantwortlich für die seit Jahren sinkende Erwerbsquote in den USA. Zum Höchststand im Jahr 2000 lag diese noch bei 67,3 Prozent, im September 2015 fiel sie auf ein 40-Jahres-Tief von 62,4 Prozent. Aktuell liegt sie bei 62,9 Prozent.

Die Sucht halte Millionen Amerikaner im besten Erwerbsalter davon ab, sich zu bewerben oder fortzubilden, schreibt Alan B. Krueger, Ökonom an der Universität Princeton,. Fast die Hälfte aller Männer im arbeitsfähigen Alter, die nicht zur Erwerbsbevölkerung gehören, nimmt nach eigenen Angaben täglich Schmerzmedikamente, in zwei Dritteln der Fälle handelt es sich um starke, verschreibungspflichtige Mittel, die Opioide enthalten. Rund 40 Prozent geben an, sich wegen chronischer Schmerzen nicht um eine Vollzeitstelle zu bemühen. "Die Drogen halten zehn Prozent der Bevölkerung vom gesellschaftlichen Aufstieg ab", schätzt Krueger. Hinzu kommt: Wer einmal wegen Missbrauchs registriert ist, für den bleiben viele Berufe verschlossen.

Hohe Dunkelziffer

Lange waren vor allem Amerikaner aus der weißen Unterschicht betroffen, die arbeitslos waren, keine Ausbildung hatten und damit wenig Aussicht auf Besserung. Die Spirale aus Unzufriedenheit, zunehmender wirtschaftlicher und sozialer Unsicherheit und Abhängigkeit hatte zuletzt sogar dazu geführt, dass die Lebenserwartung weißer Amerikaner zwischen 45 und 54 Jahren gesunken war – während sie bei allen anderen sozialen Gruppen stieg oder wenigstens stagnierte. "Die Verfügbarkeit von Opioiden hat zusätzliches Öl ins Feuer gegossen", in ihrer Untersuchung der "Verzweiflungsspirale".

Inzwischen aber sind auch andere Bevölkerungsschichten betroffen. Selbst in Anwaltskanzleien vermuten Experten heute eine hohe Dunkelziffer an Abhängigen. Verschreibungspflichtige Medikamente sind laut das zweithäufigste Suchtmittel hinter Alkohol. "Die Krise ist in den Vororten angekommen", sagt Jeffrey Magada von der Organisation Flying HIGH, die in Ohio gemeinsam mit Unternehmen versucht, Kandidaten auf den Arbeitsplatz vorzubereiten und ihnen beim Entzug hilft. Viele Firmen, mit denen er zusammenarbeite, würden heute Mitarbeiter auf allen Ebenen und in allen Funktionen an die Opioide verlieren. Oft hätten diese jahrelang unter dem Einfluss von Medikamenten gearbeitet, bis es eben nicht mehr gegangen sei.

An einer umfassenden Strategie im Kampf gegen die Abhängigkeit fehlt es in den USA. Die Behörden versuchen, die Ausgabe der Medikamente stärker zu überwachen und Mediziner besser über die Risiken aufzuklären. Das hat zwar die Verfügbarkeit der Arzneien beschränkt – doch an ihre Stelle traten Heroin und hochwirksame Substanzen wie Fentanyl, die billiger sind und in ihrer Wirkung um ein Vielfaches stärker. "Die Krise ist ein Symbol für größere Probleme in einem Land, in dem wir uns immer noch zu sehr auf schnelle Lösungen konzentrieren", sagt deshalb die Soziologin Shannon Monnat. Um das Problem wirklich in den Griff zu bekommen, müssten die wirtschaftlichen und sozialen Problem dahinter gelöst werden, sagt Monnat. Einschnitte in der Gesundheitsversorgung etwa verschlimmerten die Situation der am stärksten Betroffenen, sagen Kritiker. 

Die Sonderkommission des Präsidenten empfahl vor wenigen Tagen, den nationalen Notstand auszurufen. Der Zugang zu Therapien und Entzug müsse verbessert, der Schwarzmarkt stärker kontrolliert werden. Ein endgültiger Bericht ist für Oktober angekündigt. Michael Sherwin kann auf Lösungen aus Washington nicht mehr lange warten. "Wenn wir die entsprechenden Leute nicht finden können", so der Chef von Columbiana Boiler, "dann werden wir den Prozess eben stärker automatisieren müssen". Roboter nehmen keine Medikamente.

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Drogen: Irgendeine Ahnung, was Sie da eigentlich nehmen?

Von Sven Stockrahm 3. Juni 2017 273 Kommentare

Der Altar in der Klever Kirche, in der der von seinen Aufgaben entpflichtete Priester wirkte. FOTO: Gottfried Evers

Kleve. Ein Klever Priester hat fast zwei Jahre lang Whatsapp-Nachrichten mit einem Minderjährigen ausgetauscht. Auch über die Beziehung zu einer Frau schrieb er dem Jugendlichen. Das katholische Bistum Münster stuft die Vorfälle als "unangemessenes Kommunikationsverhalten" ein. Von Peter Janssen und Stefan er sucht sie whatsapp Weigel

Der katholische Priester einer Klever Gemeinde ist ein Mann des Wortes. Im Ort heißt es: "Predigen kann der." Seit 14 Jahren ist er der leitende Geistliche der Gemeinde mit ihren 7600 Katholiken. Doch seine letzte Botschaft verkündet der Pfarrer auf der Kanzel nicht selbst. Die Nachricht kommt für die Gläubigen wie aus heiterem Himmel. Übers Wochenende ist ihr Pfarrer zurückgetreten und von allen Aufgaben entpflichtet worden.

In dem Brief, der in den Gottesdiensten verlesen wird, heißt es: "Ich lasse Ihnen heute mitteilen, dass ich unseren Bischof kurzfristig gebeten habe, mich von meinen Aufgaben als Pfarrer (...) zu entpflichten. Der Bischof hat dem entsprochen. Das kommt für Sie vielleicht überraschend. Ich bin mir aber in den letzten Tagen klar geworden, dass ich eine Auszeit brauche, um persönliche Dinge zu klären." Das Schreiben endet mit: "Ihnen allen und der Pfarrei wünsche ich alles Gute und Gottes Segen."

Unzählige Chat-Nachrichten

Als Grund für die Entpflichtung, um die der Pfarrer gebeten hatte, nennt das Bistum Münster ein "unangemessenes Kommunikationsverhalten" des Geistlichen zu einem Jugendlichen. Der Priester hatte über Whatsapp, einen Kurznachrichtendienst fürs Handy, Kontakt zu einem 16-Jährigen. "Wir sind zu der Auffassung gekommen, dass dies mit seiner Rolle als Pfarrer nicht zu vereinbaren ist", sagt ein Sprecher des Bistums. Er betont, dass nichts strafrechtlich Relevantes geschrieben worden sei und es sich bei den Kontakten nicht um sexuelle Belästigung handele. "In dem Fall geht es allein um die Frage von Nähe und Distanz." Wie der Klever Oberstaatsanwalt Günter Neifer auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte, ist in dem Fall eine Strafanzeige eingegangen, die derzeit geprüft werde.

Wie nah der Pfarrer dem Minderjährigen war, lässt sich an Zahlen erkennen: Der Ausdruck des Chatverlaufs (liegt der Redaktion komplett vor) umfasst mehr als 3000 Din-A4-Seiten. Die Nachrichten wurden nach Angaben des Jungen, und wie an den Zeitangaben der Nachrichten zu erkennen ist, in einem Zeitraum vom 14. Februar 2016, damals war der Jugendliche noch 15 Jahre alt, bis zum 22. Dezember 2017 von ihm und dem Pfarrer geschrieben.

"Unangemessenes Kommunikationsverhalten"

Dem Bistum Münster liegt der komplette Chatverlauf vor. Zunächst, so die Schilderung der Eltern des Jungen, wollte das Bistum als offiziellen Grund für den plötzlichen Rücktritt ein Burn-out-Syndrom des Geistlichen angeben. Erst nachdem die Eltern des Jugendlichen energisch gegen eine solche Darstellung protestiert hatten, habe sich die Diözese - mit Zustimmung von Bischof Felix Genn - für die nebulöse Formulierung "unangemessenes Kommunikationsverhalten" entschieden. In einem zweistündigen Gespräch mit unserer Redaktion in dem Büro seines Anwalts erklärt der 48-jährige Priester, dass der Bischof ihm nahegelegt habe, um seine Entpflichtung zu bitten. Das Bistum hatte daraufhin den Abschiedsbrief an die Gemeinde formuliert. "Aber das ist nichts Besonderes, das ist der übliche Weg", sagt der Geistliche.

Was in den Nachrichten steht, dazu wollte sich der Sprecher der Diözese nicht äußern. Sie enthalten Details über das Leben eines Geistlichen, der 14 Jahre lang als Seelsorger in der Klever Pfarre wirkte und erst 2016 Dechant des Dekanats Kleve wurde.

Die Geschichte mit dem Jungen - sie beginnt harmlos. Der damals 15-Jährige engagiert sich stark in der Gemeinde, ist Messdiener und in die Jugendarbeit eingebunden. Der Priester lobt ihn regelmäßig dafür. Irgendwann gehen die beiden zusammen Pizza essen. Das Verhältnis wird intensiver, der Jugendliche ist stolz darauf, den Würdenträger so gut zu kennen. Doch dabei bleibt es nicht: Der Pastor will eine immer engere Verbindung. Zunächst sind es nur Komplimente, dann schreibt er irgendwann per Whatsapp auch über seine Gefühle. Der Junge sei der wichtigste Mensch in seinem Leben, er solle ihn nicht verlassen. Er habe ihn nämlich "unendlich doll lieb!". Der Pfarrer selbst hält den Austausch nicht für eine Liebesbeziehung. Auf die Frage, ob er in den Jungen verliebt gewesen sei, sagt er: "Es war eine sehr große Vertrautheit, keine Beziehung, schon gar kein Liebesverhältnis."

Mehr als 100 Nachrichten am Tag

Allerdings gibt der Geistliche heute zu: "Sicherlich, in einigen Situationen sind bei mir die Warnlampen zu spät angegangen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Gespräche den Jungen belasten."

Der Junge beginnt dies anders zu empfinden. Der Priester selbst spricht in den Nachrichten an, dass er die Minderjährigkeit des Jungen als problematisch ansieht. Auch dafür hat er heute eine Erklärung: "Es ging allein darum, das Gerede von Dritten zu vermeiden, die darin zu viel hineininterpretieren." Sie schreiben sich zum Teil mehr als 100 Nachrichten am Tag. Immer wieder betont der Geistliche, wie sehr er den Jungen braucht. Zunächst erwidert dieser die Sympathiebekundungen per Chat.

Der Pfarrer wusste, wie sensibel er mit Kontakten zu Minderjährigen umgehen muss. Regelmäßig werden die Kleriker des Bistums Münster in Präventionsschulungen über dieses Thema informiert. Auch müssen sie Selbstverpflichtungserklärungen unterschreiben. In denen heißt es unter anderem: "Ich respektiere die Intimsphäre und die persönlichen Grenzen der Scham der mir anvertrauten Mädchen und Jungen (...). Ich beachte dies auch im Umgang mit den Medien, insbesondere bei der Nutzung von Handy und Internet." Auch der Klever Glaubensmann hatte diese Erklärung unterschrieben.

Die Kirche war sein Hobby

Die vielen Stunden, die ihr Sohn in der Gemeinde verbrachte, und der intensive Kontakt zum Pastor störten die Mutter des 16-Jährigen nicht. Sie freute sich, dass ihr Sohn am Leben in der Pfarre teilnahm. So kümmerte er sich unter anderem um die Technik in den Gottesdiensten, begleitete Firmgruppen und sprang auch immer wieder ein, wenn irgendwo Messdiener fehlten. Die Kirche war sein Hobby, und mit dem Priester verstand er sich sehr gut. Die Mutter wähnte ihren Sohn in der Pfarre gut aufgehoben. "Wenn wir uns gelegentlich getroffen haben, habe ich häufig gefragt, ob seine Mutter davon weiß. Das hat er stets bejaht", sagt der Geistliche.

Irgendwann beginnt er damit, den Minderjährigen auch mit Problemen zu belasten, die er mit sich und seinem Priesteramt hat. Etliche Male klagt er darüber, dass er "immer für alle da sein muss". Seine Obliegenheiten als Pfarrer sind regelmäßig Thema. "Ich werde wahnsinnig, die nächste große Beerdigung", schreibt er. Er wirkt überlastet, erzählt dem Jungen, dass ihm Familie fehle.

In seinen Whatsapp-Mitteilungen an den Jugendlichen berichtet der Priester auch, dass er einmal für ein Leben mit einer Frau seinen Beruf aufgeben wollte, leitet persönliche Nachrichten dieser Frau an den Jungen weiter. Auch darin sieht er keine Grenzüberschreitung: "Wir hatten eben ein sehr enges Vertrauensverhältnis." An mehreren Stellen lässt er sich über das Gemeindeleben aus, kritisiert andere Priester oder Mitarbeiter der Pfarrgemeinde.

"Sonst heißt es noch Missbrauch"

Über Monate verstehen sich die beiden gut. Sie chatten viel und treffen sich gelegentlich. Auch im Pfarrhaus. Dann verändert sich die Gefühlslage des inzwischen 16-Jährigen. Der Jugendliche hält den größer werdenden Druck immer weniger aus. Er hat eine Freundin. Der Pfarrer versucht, so meint der Jugendliche, die Beziehung zu zerstören, wirft die Freundin einmal aus dem Gottesdienst.

Der Junge wendet sich immer mehr von dem Priester ab. Der verspricht dann, dass er ihn nicht mehr bedrängen will, denn: "Sonst heißt es noch Missbrauch." In einer Nachricht lässt der Geistliche erkennen, dass der Kontakt einen Regelverstoß darstellen könnte: "aber wenn es nach den Missbrauchsregeln geht, dürften wir keine Freunde sein..." Bezogen habe er sich dabei aber darauf, so der Geistliche im Gespräch mit unserer Zeitung, dass Dritte etwas hineininterpretieren könnten.

Ende 2017 kommt der 16-Jährige mit der Situation nicht mehr klar. Er sucht Hilfe bei einem anderen Seelsorger in der Gemeinde, der sich zusammen mit zwei weiteren Mitarbeitern der Pfarre berät. Schnell fällt die Entscheidung, den Fall Münster zu melden. Der Präventionsbeauftragte des Bistums erhält am 29. Dezember 2017 den 3000 Seiten umfassenden Chatverlauf. Gleich am nächsten Tag meldet er sich, denn es sei dringender Handlungsbedarf gegeben.

Anfang Januar wird der Klever Priester nach Münster einbestellt. Das Ergebnis des Gesprächs ist, dass ihm die Bitte um Entpflichtung nahegelegt wird. Zusätzlich wird dem Geistlichen ein Kontaktverbot zu dem Jugendlichen erteilt. Für die Bistumsleitung ist der Fall jedoch noch nicht erledigt. Auch wenn ein Bistumssprecher am Donnerstag erneut betonte, dass nichts strafrechtlich Relevantes in den Chats stehe.

Geschadet hat das "unangemessene Kommunikationsverhalten" dem Jungen dennoch. Dem 16-Jährigen geht es schlecht, er ist in psychiatrischer Behandlung, und der Geistliche muss ein paar persönliche Dinge klären.

Das katholische Bistum Münster hat am Samstag  auf unsere Berichterstattung reagiert und Stellung bezogen.

Quelle: RP
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3 Comments

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Leavy Reply

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